Boston (Tea) Party
Dienstag, September 6, 2005, 04:57
Jau,

Jetzt war ma in Boston. Hier war ein verlaengertes Wochenende, also sind alle Siemensianer ausgeschwärmt in die naehere Umgebung. Boston is ca 5 Stunden von hier weg. Allerdings muss man durch NYC durch, was etwas laenger dauern kann und was wir eigentlich mit unseren Mietautos auch nicht duerfen. Die Stadt ist wirklich so wie es vorher jeder gesagt hat: die wohl europaeischte (und damit normalste) Stadt Amerikas. Kleine Strassen, besseres Essen, weniger SUVs, weniger Support-Our-Troops Banner, richtigen Kaffee, richtige Kafees,...


(South End Boston)

Aber natuerlich gibts auch jeden Fall auch ne ordentliche Skyline...



Wir haben uns in ein Backpacker direkt im Zentrum eingenistet. War billig, aber wohl eins der schlechtesten die ich gesehen hab. Aber die scheinen hier in der USA alle nicht so der Hit zu sein... Unseres war eher so was wie das "New Carlton" in Suedafrika. Der Typ an der Rezeption war ein Totalausfall, der hat alle Reservierungen verschlafen, musste 5 mal nach unseren Namen fragen (kann mir zwar auch keine Namen laenger als 20 sec merken, arbeite deswegen aber auch mit Computern und nicht in so einem Hostel) und wusste nicht mal wo man das Auto parken kann und was richtiges Essen um die Ecke. Als wir dann am zweiten Tag wieder Abends ins Hostel gekommen sind, haben auf einmal 2 Typen bei uns im Bett geschlafen (also einer pro Bett. Zumindest das!) und waren fest der Meinung dass das ihres ist. Also haben wir den verplanten "Rezeptionisten" gefragt, der sich natuerlich an gar keinen mehr erinnern konnte. Nachdem wir uns von unserer Identitaet ueberzeugen konnten, hat er uns dann vorgeschlagen in eine anderes Zimmer zu gehen. Und die "neue Belegung" unserer Betten, die einfach unsere Sachen beiseite geschmissen hatten, sollten da bleiben. Naja, im Endeffekt konnten wir dann nach langer Ueberzeugungsarbeit im Zimmer bleiben, und die anderen Typen sind umgezogen. Dafuer gabs noch ne komisch Story mit einem der Kerle. Der eine ist angeblich am naechsten Morgen aufgewacht in seinem neuen Raum und seine Tasche war offen und seine 2000$ in bar waren weg. Hmmm, wer nimmt 2000$ in bar in ein Backpacker mit uns schliesst es nicht weg? Auf jeden Fall wars weg und es gab jede Menge Aufregung. Aber hat sich schon gelohnt. Mit den 2000$ kommen wir jetzt ne ganze Weile aus. Dann muessen wir halt wieder in so ein Schuppen und neues Geld besorgen...


(Die Weissheit ist hier nicht auf Papyrus geschrieben, sondern auf Parkbänke)



(Boston Common. Englischer Garten light)

Wir haben natürlich die ganze Touristen Tour und alles in Boston mitgemacht. Und was ist das einzige an was man sich aus dem Geschichtsunterricht, neben Christopher Columbus, noch erinnern kann? Jau, Boston Tea Party. Allerdings ist mir nicht mehr eingefallen was das genau war. Deswegen sind wir da auch gleich mal hin. Nachdem wir dann unsere Erinnerungen aufgefrischt hatten und wussten, dass von diesem Ort die Unabhaengigkeit der USA gestartet wurde, haben wir ein riesen Memorial oder Denkmal oder Museum oder ... erwartet. Die Amerikaner machen ja gerne so grosse Gedenkdinger, vor allem wenn es WW II oder andere ihrer "erfolgreichen" Kriege betrifft. Und was machen sie an dieser heiligen Staette? Dem Ausgangspunkt der Unabhaengigkeit von God's Own Country, dem Home Of The Brave?


(Amerikanische Denkmalpflege)

Hier also sollte das Schiff liegen von wo aus die Siedler den Widerstand gegen die Englaender gestartet haben. Aber es war zur Restauration irgendwo. Das ist ja OK, aber der Rest des "Museums" war so vergammelt, als wenn seit 20 Jahren keiner mehr was da gemacht hat. Scheiben eingeschlagen, alles morsch und abgebrochen und voller Moos.

Auf dem Rückweg wollten wir in ein Bus steigen, und wären doch glatt auf die Fresse geflogen, haetten wir dieses Schild nicht noch im letzten Augenblick gesehen


(Zum Glück wird hier fuer einen gedacht! Das war knapp!)

Bin mir jetzt gar nicht sicher, ob sich das nicht zu negativ angehört hat. Es war auf keinen Fall negativ! Wir waren alle begeistert von Boston. Wirklich nette Stadt mit einem schoenen Flair und netten Menschen. Aber ich kann mich eben immer noch ein bischen an amerikanischen Eigenheiten erfreuen. Diese waren da zwar weniger stark ausgeprägt, aber dennoch muss man sich da erstmal dran gewoehnen. Dass der U-Bahn Fahrer z.B. bei jeder Station sagt "Bitte festhalten, nehmen sie ihre Kinder an die Hand und beachten sie die Stufen beim aussteigen" ist schon etwas übertrieben meiner Meinung nach. Aber war mit Sicherheit nicht der letzte Besuch da. Muss da eh hin, haben uns natürlich auch die Unis von Harvard, MIT und Co angeschaut (und Yale aufm Rückweg) und ich denke da werde ich dann meine Professur machen (nachdem ich in wahlweise Princeton, Berkeley, Cambridge oder Oxford promovieren werde. Bin noch nicht ganz sicher).

Diese Woche gehen wir mal unseren Plan an, aus der Siemens Welt auszubrechen und echte "Einheimische" hier kennenzulernen. Gibts hier nicht so viele, und wenn dann leben sie in ihrer Welt. Ich frage mich wann Princeton als Little India von wahlweise NYC oder Phily anerkannt wird...

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